Einführung
Zur Geschichte Berlins im Mittelalter sind im Vergleich zu anderen deutschen Städten nur wenige schriftliche Quellen überliefert. Bis zum 16. Jahrhundert wurden immer wieder wertvolle Dokumente durch Rathausbrände vernichtet. Als Anfang des 19. Jahrhunderts das Berliner Stadtarchiv – Vorläufer des heutigen Landesarchivs – als Ort historischer Forschung gegründet wurde, gingen nur wenige mittelalterliche Dokumente der städtischen Überlieferung in den Bestand ein. Dieser Mangel wurde durch Urkundenverluste im Zweiten Weltkrieg noch verstärkt.
Die Geschichte Berlins und seine Schwesterstadt Cölln bildet sich daher in erster Linie in den Hinterlassenschaften der kurmärkischen Aufsichtsbehörden und früher Chronisten ab. Diese Dokumente werden heute in Beständen und Sammlungen insbesondere des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, aber auch des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz und der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt.
Die beiden überlieferten Stadtbücher der Doppelstadt Berlin und Cölln aus dem 14. und 15. Jahrhundert gehören zu den ältesten Archivalien des Landesarchivs Berlin. Die wertvollen Rechtskodexe beinhalten z. B. Einnahmen und Privilegien der Stadt oder das Schöffenrecht, darunter Schuldforderungen, Texte zum Erbrecht, Frauenrecht und Judenrecht. (Mehr Informationen unter "Beschreibung" der Quelle).
Beide Dokumente waren Bestandteil der städtischen Registratur von Cölln bzw. Berlin und wurden 1817 als historisch wertvolle Dokumente an die Magistratsbibliothek übergeben. Von dort gelangten sie 1846 in die Verwahrung des Stadtarchivs Berlin, wo man sie der Handschriftenabteilung zuordnete. Aus dem Verlagerungsort in Niederschlesien, wohin diese Sammlung 1943 im Zweiten Weltkrieg verbracht worden war, wurden sie im Oktober 1952 von Polen an das Berliner Stadtarchiv zurückgegeben.
An dieser Stelle wird Ihnen zunächst das Cöllnische Stadtbuch als Digitalisat mit zeilengenauer Transkription zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um eine Arbeitstranskription, d.h. um eine Lesehilfe. Das Berlinische Stadtbuch wird in naher Zukunft folgen.
Mit dieser Präsentation kann und soll eine ausstehende wissenschaftliche Neuedition nicht ersetzt werden. Vielleicht aber bietet sie eine Anregung dazu!
